Gänsezucht

Motivation

 

Eins unser großen Hobbies ist die Zucht von Großgeflügel und da speziell die Zucht von Gänsen. Unser Hof mit reichlich Weidefläche bietet dafür die perfekten Voraussetzungen.

 

Noch zu Beginn des 19 Jhd. waren Gänse als Fleisch- und Daunenlieferant in Deutschland weit verbreitet. Gründe für die dramatische Abnahme der Gänsepopulation sind zum Einen der neue Ernährungs- und Gesundheitsstereotyp, der auf fettes Fleisch verzichtet und bevorzugt Hühner- und Putenfleisch konsumiert und zum Anderen kommt es zu einem Wandel in der Demographie, in dem vermehrt Kleinfamilien und Singelhaushalte auftauchen für die ein kompletter Gänsebraten zu viel ist.

Ein weiterer nicht zu unterschätzender Grund ist der Billigimport aus Polen und Ungarn, die ihre Gänse quasi doppelt und dreifach und dadurch günstiger vermarkten (Hafermastgans, Stopfleber und Daunenproduktion).

 

Dennoch bleibt die Gänsepopulation in Deutschland seit einigen Jahren konstant und es gibt immer wieder Züchter, die abseits von der Masthybridzucht auf die ursprünglichen Rassen zurück greifen und so für deren Erhalt sorgen. Obwohl Gänsefleisch mit einer Prokopfproduktion von 0,05 kg und einem Prokopfverbrauch von 0,40 kg in Deutschland eine untergeordnete Rolle spielt, ist der Anteil an ökologisch erzeugten Fleisch mit knapp 10% in Deutschland sehr hoch.

 

Ein paar Worte an die zukünftigen Gänsezüchter mit starken Ambitionen für Ausstellungen. Gänse sind äußerst robuste Tiere, die ausreichend Grünfutter zur Verfügung haben sollten. Gänse sind Wasservögel, die anders als Hühner nicht auf Staub- sondern auf Wasserbäder angewiesen sind um ihr Gefieder zu pflegen und vor Ektoparasiten zu schützen. Genaueres finden sie unter Haltung und Ernährung. Kurz kann ich hier schon mal sagen: " Besitzen sie weniger als 100 m2 Grünfläche, dann denken sie lieber nochmal über Zwerghühner nach". Ich habe mich damals bewusst für Gänse entschieden, da sie ausgeprägte Weidetiere sind und je nach Anzahl eine Wiese auch kurz halten. Ich musste mich auch schnell von dem Gedanken verabschieden alle Tiere, die ich nicht verkaufen konnte oder die nicht dem Ideal entsprachen zu behalten. Also möchten sie künstliche Selektion betreiben und Ausstellen, gewöhnen sie sich schon einmal an den Gedanken Tiere selbst zu schlachten oder schlachten zu lassen.

 

Doch eigentlich wollte ich sie ja für Gänse begeistern. Falls sie jemals in den Genuss kommen Gössel aus Kunstbrut mit der Hand aufzuziehen, werden sie merken wie anhänglich und neugierig Gänse sind. Die erste tollpatschigen Verfolgung und das Verstecken unter ihrem Pullover mit hingebungsvollem "Gründel"-Gesten und sie wissen was ich meine.

Man kann sich aber auch für Gänse entscheiden, wenn man ein geeignetes Wachtier haben möchte, wobei man an dieser Stelle die (Afrikanischen) Höckergänse favorisieren sollte. Jedoch sollte man in diesem Fall keine unmittelbar angrenzenden Nachbarn haben, da diese Tier, anders als oftmals beschrieben, sehr laut sind. Gänse als Schmusetiere? Das sehe ich eher kritisch, da jedes Tier mal zum adulten Wesen heranwächst und dann auch über gewisse instinktive Verhaltensweisen verfügt, die nicht immer angenehm sind. Und zum Schmusen kommen die Gänse dann nur während der Paarungszeit, sofern sie über keinen Partner verfügen und bei der Kraftfuttergabe.

Also, Gründe für die Haltung von Gänsen gibt es viele und nun liegt es an ihnen, ihre Motivation zu finden.

 

Domestikation

 

Es gilt heute als unumstritten, dass die Gans, die der Familie Anatidae und dem Genus Anser angehört, eines der ersten domestizierten Tiere war. Man unterscheidet bei den Gänsen zwei Typen von domestizierten Gänsen. Der erste Typ hat seinen Ursprung in der europäischen Graugans (Anser anser) und der zweite Typ in der asiatischen Schwanengans (Anser cygnoides).

 

Die Domestikation unserer Hausgans fand vermutlich vor mehr als 3000 Jahren in Ägypten statt. Die Ägypter waren davon überzeugt, dass der erste Gott aus dem Gänseei hervorging und sie hielten die Graugans in Schlagnetzen im Schilf gefangen. In dieser Zeit dienten die Gänse als Opfer- und Speisetier. In Griechenland wurde die Gans der Göttin Aphrodite und in Rom der Göttin Juno (Wachtier) geweiht.

Die Domestikation der Höckergans aus der Schwanengans erfolgte wahrscheinlich in China, wovon Tonfiguren aus der Longshan-Kultur (3. Jtd. v.Ch.) zeugen. Von da aus verbreitete sich die Höckergans über Indien und Afrika nach Europa. In Russland fanden bereits frühzeitig erste Kreuzungen zwischen den Landschlägen, die der Graugans entstammten und der Höckergans statt (Kubangans mit hoher Legeleistung).

Trotz dieser frühen Domestikationsphase erhob sich die Gans niemals so kommerziell wie Hühner oder Enten.

 

Wildgänse gibt es weltweit und obwohl sie sich sowohl an sehr heißes als auch an sehr kaltes Klima anpassen können, findet die hauptsächliche züchterische Bearbeitung in nur wenigen Ländern Asiens und Europas statt.

Domestizierte Gänse zeigen ein breites Spektrum an Farbe, Form und Größe, sind allgemein größer als die Wildform und haben die Fähigkeit zu fliegen weitestgehenst verloren.

 

 

 

 

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