allgemeine Fütterung

Als Besitzer von Haus- und auch Nutztieren sollte man höchste Ansprüche an eine artgerechte Ernährung stellen. Um den Anforderungen der Tiere gerecht zu werden, sollte man zum einen gute Kenntnisse über die Bedarfswerte der jeweiligen Tierart haben und zum Anderen auch den Nährwert des eingesetzten Futters kennen. Um Ernährung zu verstehen sollte man gewisse Grundkenntnisse über Nährstoffe wie Kohlenhydrate, Eiweiße und Fette, sowie über Mineralien und Spurenelemente besitzen.

Kohlenhydrate (KH), Eiweiße und Fette sind organische Verbindungen, die als Monomere oder über chemische Reaktionen verbundene Polymere aufgenommen werden, im Verdauungstrakt durch Enzyme aufgespalten und über den Dünndarm absorbiert werden. Für Gänse spielt neben der Verdauung im Dünndarm auch die Fermentation von Rauhfutter im Dickdarm eine große Rolle. Dabei werden Polymere, die vom Körper nicht aufgespalten werden können durch Darmbakterien umgesetzt und die dabei entstehenden leicht flüchtigen, kurzkettigen Fettsäuren absorbiert. Die Chemie der Nährstoffe muss an anderer Stelle nachgelesen werden, da dies den Rahmen sprengen würde. Dennoch werden hier die ernährungsphysiologisch wichtigsten, ohne weitere Erklärung, kurz benannt.

 

Wie für alle Lebewesen ist die Versorgung des Organismus mit ausgewogenen Nährstoffrationen von immenser Bedeutung. Diese Versorgung sichert nicht nur die Versorgung mit Energie (Kohlenhydrate, Fette) und Eiweiße (Proteine, Aminosäuren), sondern auch mit Mineralstoffen, Spurenelementen und Vitaminen, die alle wichtigen Funktionen des Körpers sicherstellen.

Um dem Bedarf der Tiere gerecht zu werden, sollte man sich gut mit der Ernährungsphysiologie auskennen.

Als Beispiel sei genannt: Gras enthält pro kg Trockenmasse durchschnittlich 160g Eiweiß. Der Trockenmassegehalt beträgt 12%. Das heißt 160 g Eiweiß sind in ca. 8 kg Frischmasse. Um den Bedarf einer Legehenne mit 2 kg Körpergewicht zu decken, benötigt man pro Tier und Tag ca. 20 g Eiweiß. Das heißt das Huhn müsste um diesen Bedarf zu decken 1 kg Gras zu sich nehmen. Das dies völlig unmöglich ist, wird sofort ersichtlich und man muss sich nach anderen Eiweißquellen umschauen.

Gänse sind anders als Hühner oder Enten ausgeprägt Weidetiere, die durch ihren Muskelmagen große Mengen an Rohfasern (Cellulose, Hemicellulose) energetisch nutzen können. Kleinere Gänserassen wie Elsässer Landgänse benötigen über den Sommer lediglich eine geringe Zufütterung mit Kraftfutter (stärke- oder fettreiche Körnerfrüchte). Während Emdener oder Toulouser Gänse aufgrund der Körpermasse den Energiebedarf zwar decken können, aber die gewünschte Form und Masse kann damit nicht erreicht werden und es muss mit mehr Kraftfutter ergänzt werden. Frischgras ist reich an Eiweiß, das in seiner Aminosäurezusammensetzung gut ausbalanciert ist. Der Energiegehalt ist als mittelmäßig einzustufen und wird von Gänsen auch aus der Fermentation der Cellulose mittels Mikroben in den Caeca (Blinddarm) gewonnen. Als pflanzliches Produkt ist Gras reich an Kalium und je nach Region mit entsprechenden Makro- und Mikroelementen versehen. Für die Beweidung gilt einiges zu beachten. Wiesengras enthält die höchste Dichte an Zucker und Eiweiß im Jugendstadium (Blattstadium). Mit zunehmender Reife, das heißt mit dem Ährenschieben und der Blüte wandelt sich das Verhältnis zu gunsten des Stängels, der mit zunehmenden Wachstum verholzt (lignifiziert). Das nun enthaltene Lignin ist für die Mikroben nicht fermentierbar und Zucker und Eiweiß haben sich anteilmäßig in die Samen verschoben. Auch die Ähren werden gern von den Gänsen aufgenommen, dennoch muss man die Weide kurz halten, um ständig gehaltvolle Nahrung anzubieten. Verholzte Stängel werden von Gänsen nicht aufgenommen. Bei entsprechendem Weidemanagement kann man Gänse über das ganze Jahr gut in Umtriebsweiden halten (siehe Haltung).

Grundsätzlich sollte die Ernährung von Gänsen hauptsächlich aus eigenem Grundfutter (Weide) erfolgen und das Kraftfutter mit Bedacht eingesetzt werden. Die ausschließlich Ernährung über Kraftfutter ist zwar möglich für eine artgerechte Haltung aber abzulehnen. Der Vorteil der Sommerweide liegt darin, dass aufgrund der hohen Vitamin- und Eiweißgehalte von Gras, die Zufütterung mit Hafer im Prinzip ausreicht. Steht kein Gras zur Verfügung sollte zur Vermeidung von Unter- oder Überversorgung ein adequates Mischfutter angeboten werden (s.u.).

Gänse sind Pflanzenfresser, die aufgrund ihres langen Halses und des bezahnten Schnabels das Gras tief über dem Boden abbeißen und theoretisch dadurch auch zur Nachbeweidung von Kuh- und Schafweiden eigesetzt werden können. Bei reichlich Weideangebot selektieren Gänse gern und sind sehr wählerisch, was dazu führt dass ältere und minderwertige Gräser stehen bleiben. Bei restriktiver Weideführung wird beinahe alles gefressen, solang die Gräser nicht verholzt sind. Wer seine Gänse artgerecht halten möchte, bietet ihnen selbst bei Grasmangel im Sommer Rauhfutter wie junges Grumpt, Grassilage oder auch frisch geschnittenes Gras von anderen Weiden an.

 

Gänse können aufgrund ihrer flexiblen Speiseröhre eine große Menge an Kraftfutter aufnehmen, weshalb jedes Tier bei ad libitum Fütterung nur eine geringe Troglänge benötigt. Ist bei der Kraftfuttergabe für jedes Tier eine definierte Menge vorgesehen ergeben sich je nach Haltungsform mehrere Szenarien. Jung- bzw. Masttiere die sowohl auf der Weide als auch im Stall gemeinsam gehalten werden, können bei ausreichender Troglänge gleichzeitig gefüttert werden, da es unter gleichaltrigen Jungtieren und adulten Tieren eine Futtertrogduldung bekannter Tiere gibt. Tiergruppen, die einen Teil des Tages getrennt voneinander verbringen, z.B. nachts im Stall und den restlichen Tag gemeinsam, sollten getrennt im Stall gefüttert werden. Im Stall herrscht unter „bekannten“ Tieren Futtertrogduldung. Im Außenbereich werden, bei ansonsten friedlichem Nebeneinander, Tiere anderer Gruppen am Fresstrog der Hierarchie endsprechend am Fressen gehindert und es kommt zu Über- bzw. Unterversorgung von Tieren. Rangniedere Tiere wenden sich dabei trotz ausreichender Futtertroglänge komplett vom Futtertrog ab und gehen leer aus.

 

Bei der Auswahl des Kraftfutters gibt es einiges zu beachten. Wie viele Tiere haben auch Gänse einige Präferenzen. Ausgehend von der Darreichungsform favorisieren Gänse Körner bzw. Pellets gegenüber Weichfutter und Futtermehlen. Auch bei der Gabe von Getreide kann man gewisse Vorzüge feststellen. In der Reihe abfallend wird Hafer vor Weizen > Gerste > Roggen > Mais favorisiert. Bei der Darreichung von Mischfutter in Form von Pellets muss dieser Reihenfolge keine Beobachtung geschenkt werden, da diese in der Regel bei ausreichender Gewöhnung gut akzeptiert werden. Ein großes Problem der mehligen Futtermittel ist neben der Akzeptanz auch der hohe Anteil an Futterverluste, die bei der Futteraufnahme auftreten. Durch den Schluckvorgang werden eingespeichelte Futterklumpen fallen gelassen und auch anschließend verschmäht. Gröbere Futterteile werden auch noch selektiv aufgenommen. Zudem sorgen mehlige und feuchte Futterreste für eine stärkere Verunreinigung des Tränkewassers. Somit gilt es sowohl die Tränken als auch die Futtertröge mindestens 1-mal pro Tag zu reinigen, um die Bildung von Schimmel (Toxinbildung) und Fäulnis (Eiweißzersetzung) zu vermeiden. Neben der Bereitstellung von genügend Wasser (regelmäßige Kontrolle) ist auch auf die Versorgung mit kleinen Steinchen zu achten, sofern kein Freigang besteht. Diese Steinchen, Muschelschalen oder das Grit hilft beim Aufschluss der Fasern im Muskelmagen und unterstützt so die Verdauung und erhöht damit die Energieaufnahme pro kg aufgenommene Trockensubstanz.

 

 

Füttererungs- und Tränkesysteme

Der Aufnahme von Futter folgt bei Gänsen stets das Trinken von Wasser wobei die Fressintervalle zeitlich unterschiedlich lang sein können. Weidet eine Gans in unmittelbarer Nähe eines Teiches so trinken sie auch häufiger. Liegen weitere Abstände zwischen Weideplatz und Tränke weiden sie oft ausgiebiger bevor sie gemeinsam zum Wasser laufen. Um eine permanente Verschmutzung der Tränken mit Futterresten zu vermeiden, sollten Futtertrog und Tränke einen ausreichenden Abstand voneinander haben. Für Gössel bis drei Wochen sollte der Abstand 1 m nicht unterschreiten, danach sollte ein Abstand von mind. 5 m nicht unterschritten werden. Erfolgt keine größere Zugabe von Kraftfutter im Sommer und steht nur die Weide zur Verfügung ist die Stellung der Tränke zentral in der Weide gelegen optimal, da sie von da aus die gesamte Weide gut erreichen. Anders gesehen kann eine Tränke auch dafür genutzt werden um die Tiere in bestimmten Arealen der Weide längere Zeit zu halten, indem die Tränke dahin verbracht wird. Dieser Effekt ist aber nur bei größeren Weiden spürbar, da alle Rassen, die als ausgeprägte Weidetiere gelten (Pommerngänse) gern auch größere Distanzen zurücklegen. Eimer und kleine Schüsseln als Tränken sofern nicht über einen Haken gesichert oder zur Hälfte eingegraben, sind völlig ungeeignet da diese beim Versuch zu Tauchen oder Gefiederpflege zu betreiben immer umgewurfen werden.

 

Gössel sollten in den ersten Tagen aus flachen Schalen gefüttert werden, die sie auch gern betreten dürfen. Zur Stimulation der Futteraufnahme kann man mit dem Zeigefinger auf die Schale klopfen, um die elterliche Futteraufnahme zu simulieren. Während der ersten zwei Wochen reicht eine Troglänge von 1.0 – 1.5 cm pro Gössel. Ab der 3. Woche sollten 2.0 – 3.0 cm Troglänge pro Gössel veranschlagt werden. Nach der 9. Woche müssen mindestens 4 cm pro Gössel bereitgestellt werden. Für den einen oder anderen mag das unbedeutsam klingen, aber eine zu große Troglänge verursacht nur unnötige Futterverluste. Diese mögen bei 10 Tieren irrelevant sein aber einige Züchter arbeiten mit 6 – 10 Zuchtstämmen und brüten in 2-3 Monaten bis zu 100 und mehr Eier aus. Eine weitere Möglichkeit zur Vermeidung von Futterverlusten ist der Gebrauch von Rundtrögen mit einem aufgesetztem Trogrand. Dieser Trogrand steigt mit einem Winkel von 30° nach außen an und erlaubt so das zurückrutschen des aus dem Schnabel fallenden Futters in den Trog. Der Abstand der oberen Trogkante zum Boden muss dabei mit zunehmenden Alter angepasst werden. Ab dem ersten Tag ist ein Abstand von 5 cm, ab dem 10 Tag ein Abstand von 10 cm, ab der 3. Woche ein Abstand von 12 cm und ab der 8. Lebenswoche ein Abstand von 15 cm. Befindet sich der Futtertrog im Auslauf muss er den Witterungsbedingungen entsprechend geschützt werden. Mit der 8. Woche sollte das Aufzuchtfutter stark zurück genommen werden und zur Weidefütterung übergegangen werden. Als Kraftfutterzugabe reicht in dieser Zeit Hafer vollkommen aus. Idealerweise wird der Hafer mit einem Mineralfuttermittel ergänzt, das auch Spurenelemente und Vitamine enthält. Steht den Tieren keine Weide zur Verfügung empfiehlt es sich Gras in Raufen oder Heu im Ballen anzubieten andernfalls muss ein adequades Mischfutter verwendet werden.

Bei der Aufnahme von Wasser führen Gänse auch seihende bzw. gründelnde Bewegungen aus, weshalb die Becken- oder Tränkentiefe ausreichend sein muss um den Kopf einzutauchen. Dieses Kopfeintauchen ermöglicht gleichzeitig die Gefiederpflege. Gänse besitzen einen langen Hals mit dem sie auch Oberflächenwasser von 20 cm unterhalb der Füße ohne Probleme aufnehmen können, weshalb an der Höhe der Tränke keine Anforderung gestellt werden müssen. Doch es gilt lieber etwas niedriger, da Gänse mit einem Kopfaufwärtsschwung trinken. Steht für eine größere Gruppe an Gänsen kein Teich oder ähnliches zur Verfügung kann man sich ganz leicht eine Tränke bauen. Als Untergestell dienen zwei bis mehrere Dreiböcke aus Holz. In diese hinein legt man ein PE Abflussrohr mit mehr als 100 mm Durchmesser. Diese Rohre können an den Enden mit Blindstopfen geschlossen werden. Jetzt brauch man nur noch mit einer Lochsäge als Bohrmaschinenaufsatz ein paar größere Löcher (10 - 15 cm) in das obere Drittel des Rohres Sägen. Anders als die landläufige Meinung sagt, habe ich die Erfahrung gemacht, das Gössel bereits mit wenigen Wochen (2-3 Wochen) und vor allem auch mit ihren Daunen schwimmen können und auch gegenüber kälte sehr robust sind, also keine Angst davor dass sie in Wasserschalen ertrinken können. Sie sollten lediglich eine Möglichkeit erhalten, danach zu trocknen und wetterfest zu stehen Mit dem Willen ihrer Amme , also dem Menschen zu folgen, habe ich schon Gössel über 25 cm hohe Stufen springen sehen. Nippeltränken sind etwas für Hühner und Puten und sollten nicht für Gänse genutzt werden, da der Mensch dabei schnell vergisst, dass Gänse Wasservögel sind.

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