Kopf

Bereits am Kopf gibt es einige Unterschiede der Vögel zum Säugetier, allem voran der Schnabel. Der obere und untere Schnabel, der in etwa dem Ober- und Unterkiefer entspricht, ist von einem hornigen Mantel umgeben.

 

Kippt man den Kopf zurück so ist unter dem Schnabel eine weiche Region tastbar in der die Zunge und andere Strukturen aufgehangen sind. An dieser Stelle könnte man meinen, dass ein Stück Schnabel fehlt. Der obere Schnabel trägt die paarweisen Nasenlöscher (Nostrilen). Die Nasenlöscher sind ähnlich zu Säugern ein guter Indikator für eine chronische Sinusinfektion sowie für eine Mangelernährung. In diesem Fall kann eine Ansammlung aus Sekreten und Zelldebris (Rhinolith) die Nasenlöscher verlegen und zu einer erschwerten Atmung führen. Diese pathologischen Rhinolithe sind von dem sogenannten physiologischen Operculum, einem hornigen Deckel in den Nasenlöschern zu unterscheiden. So ist es am besten man schaut sich ein gesundes Tier vorher gut an.

 

Die Knochen des Schädels sind normalerweise ausgehölert durch Sini und Conchae aber im Fall einer Infektion können sich darin muköse, eitrige oder klare Flüssigkeitansammlungen befinden. Beobachten sie an einem ihrer Tiere geschwollene Augen mit Ausfluss, so kann der Grund in einer Infektion des Sinus liegen, der unmittelbar hinter dem Auge gelegen ist. Im Mundraum (oropharynx) selbst befindet sich die Zunge, die Stimmritze, der Gaumen, Speicheldrüsen, der Beginn der Speiseröhre und der Rachenraum. In der Zunge befindet sich ein Knochen, der dazu beträgt Futter zu sammeln und für den Verzehr zu manipulieren. Am Ansatz der Zunge liegt die Stimmritze (Glottis), die das Tor zur Luftröhre darstellt und die Kehle. Während bei Säugern der Kehlkopf (Larynx) für die Stimmbildung verantwortlich ist, nutzen Vögel den viel tiefer liegenden Stimmkopf (Syrinx), der an der Gabelungsstelle der Luftröhre (Trachea) lokalisiert ist. Eindrucksvoll ist diese Stimmbildung zum Beispiel bei den Gantern der Afrikanischen Höckergans im oberen Brustbereich zu sehen, wenn dieser bei den trompetenartigen Lauten vibriert. Zwischen Mund- und Nasenraum befinden sich am hinteren Nasengang die Choanen, die anders als bei Säugern nicht paarig sondern verschmolzen zu Einem angelegt sind.

 

Warum ich hier so ins Detail gehe? Bei Vögeln sind die Stimmritze und die Choanen so angelegt, dass sie bei geschlossenem Mund die Verbindung zwischen Nasenlöscher und Luftröhre verschließen, während wir Menschen mit geschlossenem Mund die Luft in unsere Lungen leiten können. Also Vermeiden sie zu langen zu halten des Schnabels.

 

Soweit man heute weiß, haben Vögel eine Geschmackspreference für Futter und trotzdem ist deren Anzahl an Geschmacksknospen, die auf der Zunge, dem Rachen und der Schnabelinnenseite liegen stark limitiert. So haben z.B. Enten lediglich 500 Geschmacksknospen, wohingegen der Mensch 10.000 und das Kaninchen sogar 17.000 besitzt.

 

Nehmen sie sich einmal die Zeit und leuchten sie mit einer starken Lampe in den Rachenraum und in die Nasenlöscher. Den die Schleimhäute verraten eine Menge über den Gesundheitszustandes ihrer Tiere. Dazu ist es aber unabdingbar den physiologischen Grundzustand zu kennen, da die Schleimhäute teilweise unterschiedlich gefärbt sind. Kommt es bei ihren Tieren zu Fehlverhalten schauen sie nach Schwellungen, Belägen, Läsionen, Blassheit oder Rötungen was ihnen erste Hinweise auf Fehlernährung, Vitamin A Mangel, bakterielle oder Pilzinfektionen gibt, die sie dann beim Tierarzt abklären lassen können.

 

Die Ohrregion umgibt die schmale Ohröffnung, die dem äußeren Gehörgang entspricht. Der Gehörgang wird von Federn bedeckt, die eine andere Textur haben als die übrigen Federn am Kopf. Die Ohren liegen hinter den Augen entweder auf der gleichen Höhe oder leicht darunter. In wenigen Fällen fehlt mal einer der Öffnungen, also nehmen sie sich mal die Zeit und schauen nach.

 

Der wichtigste Sinn der Vögel ist die Visualisierung der Umwelt um potentielle Fressfeinde oder Beute zu erspähen. Eine Besonderheit des Vogelauges ist die klare Linse der Vögel, die ihnen erlaubt Licht im ultravioletten Bereich bis 350 nm wahrzunehmen. Unser Auge vermag Licht lediglich bis zu einer Wellenlänge von 400 nm wahrzunehmen, während der ultraviolette Bereich komplett von der Linse absorbiert wird. Diese Besonderheit erlaubt den Vögeln das unschädliche UV-Leicht wahrzunehmen, dass, so neuste Erkenntnisse, auch zur Geschlechtererkennung beitragen könnte. So weiß man, dass das Sekret der Bürzeldrüse, das über das Gefieder verteilt wird im UV-Bereich sichtbar ist und so von Artgenossen erfasst wird.

 

Auf der Retina im Auge der Vögel befinden sich Stäbchen und Zäpfchen. Die Stäbchen sind für die Intensität des Lichte verantwortlich und so ist es nicht verwunderlich das nachtaktive Tiere vielmehr Stäbchen aufweisen. Zäpfchen dienen der Schärfedarstellung und der Wahrnehmung von Farben und sind daher bei tagaktiven Tieren wie unser Hausgeflügel stärker ausgeprägt.

 

Sehr verblüffend ist die Tatsache, dass Wasservögel und Vögel die im offenen Gelände leben eine spezielle Region in der Retina haben, die es ihnen ermöglicht den Horizont als Referenzpunkt zu fixieren. Was bedeutet diese Fähigkeit für den Vogel? Gänse z.B. nehmen ihr Sichtfeld als Panorama war und können so jeden Punkt realisieren ohne ihn zu fixieren. Etwas bildlicher dargestellt. Wir beobachten ein dutzend Störche in der Entfernung und müssen um sie genau zu sehen jeden einzelnen anschauen unsere Gänse sehen alle Störche gleichzeitig, gleich scharf da sie den Horizont als Bezugsgröße nutzen.

 

Vögel die unter Wasser tauchen verfügen über 2 Regionen in der Retina zum Fokussieren. Dabei verformt sich der Glaskörper unter Wasser auf Grund des Wasserdruckes und die Objekte werden unter Wasser scharf.

 

Vögel haben 3 Augenlieder. Das obere und untere Lied hat kleine Bürsten. Die 2 Augenlieder sind nur während des schlafes geschlossen. Das dritte Lied befindet sich unter den anderen Liedern in unmittelbarer Nachbarschaft zu den Nasenlöschern und dient hauptsächlich dem Wischen. Diese dritte Liedmembran wischt ca. 30-35 mal pro Minute einen Flüssigkeitsfilm über die Augen und ist bei unserem Geflügel transparent um eine uneingeschränkte Sicht während des wischens zu haben. Der farbige Bereich des Auges ist die Iris und das Schwarze in der Mitte die Pupille, durch die das Licht eintritt.

 

Der Schnabel weist unter den Vögeln die größte Variabilität auf. Dieser Umstand hängt hauptsächlich mit der Nahrungspräferenz zusammen. Dabei ersetzt der Schnabel die Lippen und die Zähne. Gänse nutzen ihren Schnabel zum Verbeißen von Gras. Enten haben mehrere Platen im Schnabel mit deren Hilfe sie Mikroorgansimen aus dem durchfließenden Wasser filtern.

 

Mikroskopisch betrachtet ist der Schnabel eine Haut, da er aus Dermis und Epidermis besteht. Jedoch ist die Epidermis aufgrund der Einlagerung von Calcium und Keratin sehr dick und fest.

 

Im Vergleich zu Hühnervögeln ist der Schnabel bei Enten und Gänsen eher weicher und ledrig. Lediglich die Spitze (Bohne) ist hart. Vögel nutzen ihren Schnabel so wie wir unsere Finger, womit er ein sehr wichtiges Organ für die Erkundung der Umwelt darstellt. Daraus schließt sich auch das der schnabel sehr sensitiv ist und man sollte niemals einen Schnabel zu weit zurück schneiden. Für Enten und Gänse ist diese Sensitivität des Schnabels besonders wichtig da sie im Schlamm gründels und dort Futter von anderen Partikeln unterscheiden müssen.

 

Frisch geschlüpfte Vögel weisen eine Besonderheit am vorderen Ende des oberen Schnabels auf, den Eizahn. Dieser dient beim Schlupf dazu die Luftkammer und die Schale aufzubrechen.

 

 

 

Copyright 2013 - lithuz-art Inh. Tobias Uhlig